Legasthenie-Therapie

in qualifizierten Einrichtungen

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Ratgeber

Vorwort

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In den vielen Gesprächen mit Eltern, die ratsuchend zu uns kommen, um ihrem Kind zu helfen, den schulischen Anforderungen zu genügen, müssen wir leider immer wieder feststellen, wie diese Eltern in der Bewältigung ihres Problems allein auf sich gestellt sind. Sie sind weder über die Legasthenie selbst noch über die institutionell gebotenen Hilfen und deren sinnvolle Unterstützung zu Hause informiert.

Wieviele Mütter verbringen ganze Nachmittage neben dem Kind am Schreibtisch. Wieviele Väter sitzen noch nach Feierabend mit ihrem Kind zusammen und gehen die Schularbeiten für den nächsten Morgen durch. Doch weder mit gutem Zureden, Lob und Belohnung, noch mit Drohungen und Strafen können sie dem Kind zu besseren Leistungen verhelfen. Nicht selten werden solche häuslichen Mühen zu einer gegenseitigen Quälerei, die mit Wutausbrüchen und Tränen endet. Manche Mutter verzweifelt schier, weil sie meint, mit gutgemeinten Tips wie: „Die „Bohnen“ schreibt man mit „h“ - das hört man doch!“ dem Kind eine Hilfe zu sein. Wenn der Sohn oder die Tochter nämlich das nächste Mal den Ratschlag anwenden und auch in „Boden“ ein „h“ „hören“ („Bohden“), bekommen sie gesagt, dass man den „Boden“ natürlich nicht mit „h“ schreibe. Was sollen die Kinder jetzt tun? Viele Kinder versuchen, sich die Diskrepanz durch eine selbstgebastelte „Privatregel“ zu erklären, die dann zu den für die Erwachsenen ganz unverständlichen Rechtschreibfehlern führt. Viele Kinder resignieren aber vor dem unüberwindlich scheinenden Berg der Rechtschreibprobleme und entwickeln eine Unlust allem Geschriebenen gegenüber.

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Liebe Eltern!

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Um Probleme, die der Schulanfang und speziell das Lesen- und Schreibenlernen den Kindern bereiten, besser zu verstehen, versuchen Sie doch einmal, die nebenstehenden Wörter von unten nach oben flüssig zu lesen.

Es wird Ihnen sicher nicht leichtfallen.

Für ein Kind, das zum ersten Mal mit Geschriebenem konfrontiert wird, bedeutet es eine weitaus größere Anstrengung: Es muss die Buchstaben erst kennenlernen, die Ihnen längst geläufig sind.

Ihr lese-rechtschreibschwaches Kind tut sich jedoch noch schwerer: Es hat z.B. Schwierigkeiten, die Laute zu unterscheiden, formähnliche Buchstaben auseinanderzuhalten, die Lautfolge zu erkennen, die Leserichtung beizubehalten und vieles andere mehr.

Folglich behilft es sich eben, so gut es kann. Aus wenigen Merkmalen schließt es darauf, wie ein Wort vielleicht lauten könnte - und rät in vielen Fällen daneben. Oder es setzt sein Gedächtnis ein, um seinen Mangel an Lese- und Rechtschreibkenntnissen auszugleichen. Erstklässler, die das ganze Lesebuch am Ende des Schuljahres auswendig können, ohne je ein Wort richtig gelesen zu haben, sind keine Seltenheit.

Bei solchen Bemühungen, mit seiner Lese-Rechtschreibschwäche zurechtzukommen, erleidet das Kind früher oder später mit Sicherheit Schiffbruch - denn sämtliche Kompensationsstrategien versagen, sobald es darum geht, selbständig einen Text zu erlesen bzw. noch nicht geübte Wörter und Diktate zu schreiben.

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Diagnose

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Wann wird eine Lese-Rechtschreibschwäche festgestellt?

Vor allem in den unteren Klassen kommt den Eltern eine wichtige Rolle bei der Früherkennung einer Legasthenie zu, da in diesen Klassen die Kinder ihre Schwierigkeiten vielleicht noch hinter zu Hause geübten und auswendig gelernten Diktaten vor dem Lehrer verstecken können. Denn wenn bereits die ersten Schwierigkeiten beim Erlernen des Schreibens ernst genommen und mit dem Lehrer besprochen werden, können besondere Rücksichtnahmen in der Schule sowie häusliche Unterstützung dafür sorgen, dass das Kind den Wissensstand seiner Altersklasse doch erreicht.

Oft wird eine Legasthenie jedoch erst im 3. oder 4. Schuljahr erkannt, dann nämlich, wenn anstelle der geübten, also auswendig gelernten Diktate, die ersten Fremddiktate geschrieben werden. Dann „entlarvt“ sich mancher Schüler, der bisher aufgrund enormer Gedächtnisleistungen nicht aufgefallen war, als Legastheniker, der plötzlich anfängt, „die unmöglichsten Fehler“ zu machen. Abgesehen von Unsicherheiten in der Groß- und Kleinschreibung, Dehnung und Mitlautverdopplung beherrscht er oft auch nicht die Umsetzung der Laute in Buchstaben, verwechselt ähnlich klingende Laute und lässt Buchstaben aus. Umgekehrt kann er ungeübte Texte nur stockend und langsam lesen.

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Erfahrung

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Aus unserer Erfahrung

Vom Alter und dem Schul- bzw. Ausbildungsstand her lassen sich keine Begrenzungen der von Legasthenie betroffenen Population angeben. Praktisch findet sich in allen Alters- und Klassenstufen und in jeder Schulform eine Anzahl von Kindern und Jugendlichen, die mit der Lese-Rechtschreibschwäche zu kämpfen haben. Die Zahl der Betroffenen, die aus weiterführenden Schulen zu uns kommen, ist notwendig geringer, da in vielen Fällen die Lese-Rechtschreibschwäche den Besuch z.B. des Gymnasiums bereits verhindert hat.

Ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen wird von Ärzten oder Schulen zugewiesen. Der relative Anteil der selbständig von den Eltern vorgestellten Kinder ist stetig gestiegen. Das konstant gute Vertrauensverhältnis zur Ärzteschaft und zu den Schulen wird also durch zunehmendes Problembewusstsein bei jungen Eltern ergänzt; letzteres zeigt sich insbesondere in der allmählichen Zunahme des Beratungsbedürfnisses bei Eltern von Erst- und Zweitklässlern.

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Förderung

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Wie kann ein Kind gefördert werden?

Wird ein Schüler von seiten der Schule als lese-rechtschreibschwach eingestuft, so erhält er eine „Schonfrist“, die genutzt werden muss und die ihm helfen kann, den Nachteil gegenüber seinen Mitschülern auszugleichen. Eine sehr wichtige Rücksichtnahme stellt z.B. die Nichtbewertung der Rechtschreibung für einen begrenzten Zeitraum dar* . Dieser „Notenschutz“ ist eine unterstützende Maßnahme zum Förderkurs, da die bestimmten Lernschwierigkeiten des Kindes Schritt für Schritt angegangen werden können, ohne dass es durch die Note beständig darauf gestoßen wird, was es alles noch nicht kann. Man sollte ihm sein Erfolgserlebnis, an Stelle von 25 Fehlern „nur“ noch 12 zu machen, doch nicht nehmen. Dies könnte nämlich so manchem Kind ganz schnell die Lust und den Mut nehmen, die unbedingt erforderliche Zusatzanstrengung, die es zur Behebung seines Problems aufbringen muss, leisten zu wollen.

Wird allerdings die Schonfrist durch den Notenschutz für „Legastheniker“ nicht dazu genutzt, durch gezielte Förderung die Schwäche zu beheben, kann sie wie ein Bumerang auf den betroffenen Schüler zurückwirken. Spätestens bei qualifizierten Schulabschlüssen, bei der Ausbildung oder bei der Bewerbung um eine Lehrstelle gibt es für das Prädikat „Legastheniker“ keinerlei Schutz mehr, und der Betroffene muss alle Konsequenzen tragen.

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Therapie

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Wie wir lese-rechtschreibschwachen Kindern und Jugendlichen helfen

Ausgangspunkt unseres Therapiekonzeptes ist die Einsicht, dass lese-rechtschreibschwache Kinder nicht im Laufe des normalen Unterrichts und des permanenten Umgangs mit Schriftlichem automatisch lernen, wie ein gehörtes Wort geschrieben aussieht. Deshalb werden allein durch die Zeit anfängliche Schwierigkeiten auch nicht geringer - eher im Gegenteil. Das bloß vermehrte Lesen- und Schreiben-Üben hilft dem Legastheniker nicht weiter, weil er nur mehr von dem tut, mit dem er nichts anfangen kann.

Der momentane Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis erlaubt keine eindeutigen Aussagen über Ursachen und Faktoren der Legasthenie. Übereinstimmung herrscht lediglich darin, dass Legasthenie eine multifaktoriell bedingte Störung im Prozess des Lesen- und Rechtschreibenlernens ist.

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